Mein Reihenhaus ist aus dem Jahr 1970. Es hat ein Flachdach, das noch mit Kies bedeckt ist. Bereits kurz nach dem Kauf im Jahr 2010 waren kleinere Ausbesserungen rund um die kritischen Stellen wie Dachluke, Dunstabzug oder den Abfluss-Gully durchgeführt worden. In den Folgejahren wurde immer wieder mal kontrolliert und nachgebessert.

Eines Tages dann die große Überraschung

Im Januar 2021 musste ich dann feststellen, dass sich in einem Kinderzimmer an der Decke eine Beule gebildet hat. Schnell war klar, dass das nichts Gutes sein konnte. Rund um die Beule waren gelbliche Verfärbungen und man konnte mit der bloßen Hand fühlen, dass die Stelle leicht feucht war. Zum Glück hat es noch nicht reingetropft.

Zunächst habe ich selbst geschaut, ob ich auf dem Dach eine Undichtigkeit feststellen konnte. Doch es war kalt, der Kies gefroren, so dass nichts zu erkennen war. Da musste also ein Fachmann ran.

Die Suche nach geeigneten Dachdeckern

Total enttäuscht musste ich nach mehreren Telefonaten feststellen, dass die Dachdecker auf Wochen und Monate ausgebucht waren. Die extremste Erfahrung war ein Dachdecker, der mir einen Termin zum Anschauen des Schadens für November in Aussicht stellte. Zur Erinnerung, wir hatten Januar.

Mit ganz viel Glück konnte ich dann einen Dachdecker über 7 Ecken für die nächste Woche organisieren. Doch auch dieser konnte aufgrund des Wetters die Undichtigkeit nicht lokalisieren. Das große Problem war der gefrorene Kieß. Ohne, dass man ihn zur Seite schafft, konnte man nichts erkennen. 

Wir begannen uns über mögliche Reparatur- und Sanierungsszenarien zu unterhalten und natürlich auch über die Kosten. Erste unverbindliche Bauchschätzungen beliefen sich auf 6.000€ bis 7.000€.

Näheres kann man aber erst sagen, wenn das Wetter sich bessert und die Undichtigkeit lokalisiert wurde, teilte er mir mit. In dem Preis sollte das Decken des kompletten Daches enthalten sein. 

Das Wetter blieb kalt in der nächsten Zeit und ich machte mich auf die Suche nach weiteren Dachdeckern, um alternative Angebote einzuholen. Die Wochen vergingen und es wurde Frühling. 

Neben ein paar unseriösen Angeboten hatte ich dann fünf konkrete Angebote, die in Frage kammen. Die Preisunterschiede waren gewaltig. Das günstigste Angebot belief sich auf 13.000€ und das teuerste auf 30.500€.  

Die Preise bezogen sich allerdings auf unterschiedliche Leistungen. Die “günstigeren” Anbieter sind davon ausgegangen, dass nur der Kies wegzuschaffen wäre und die Dachfläche neu gedeckt werden müsste. Die teuersten haben das Dach stellenweise aufgemacht und haben sich den Aufbau sowie den Zustand genauer angeschaut. Sie empfahlen mir eine Komplettsanierung inklusive Austausch der Dachfenster.

Welcher Aussage traut man da und wie kommt man als Laie zu der richtigen Entscheidung? Für mich bedeutete das erstmal schlaflose Nächte.

Wie war der Dachaufbau?

Bei der stellenweisen Öffnung des Daches war ich dabei. Wie sich herausstellte waren da mittlerweile zwei Dächer übereinander. Das Originaldach von 1970 bestand  aus ca. 4 cm dickem Foamglas, das mit Dachpappe bedeckt war. Darüber kam dann, wahrscheinlich Jahrzehnte später, eine 7 cm Styropor Dämmung drauf. Auf dem Styropor wurde dann eine Dachfolie verlegt, die mit einer ca. 4 cm dicken Kieslage beschwert wurde.

Die Öffnungen des Daches zeigten auch, dass da schon ordentlich Wasser eingedrungen war und die Styropor-Dämmung durchnässt war.

Die Entscheidung für ein Angebot

Die Erkenntnisse der Dachöffnungen haben mich schockiert. Meine Internetrecherchen bestätigten die Aussagen der Dachdecker, dass nasse Dämmung nicht mehr trocknen wird. Es Stand also fest, dass zumindest noch die Dämmung ausgewechselt werden musste.

Beim Wechsel der Dachfenster habe ich noch geschwankt. 

Es vergingen viele Tage und wir haben mit meiner Frau viel hin und her diskutiert. Am Ende haben wir die  Entscheidung getroffen, dass wir das Dach komplett sanieren lassen. Soll heißen, die alten Dachbeläge komplett bis zur Betondecke abtragen und anschließend ein neues Dach inklusive neuer Fenster und nach den aktuellen Energievorgaben.

Die Gründe dafür sind die folgenden:

  • Wir gehen davon aus, dass wir nicht ausziehen, sondern noch für Jahrzehnte in dem Haus leben werden. 
  • Wenn wir das jetzt nicht ordentlich machen lassen und z.B. auf den Austausch der Dachfenster verzichten, dann wird uns das später einholen. So wir alles in einem Aufwasch erledigt und wir haben für 25 Jahre Ruhe.
  • Mit einer Umsetzung nach der aktuellen Energieverordnung leisten wir vielleicht einen winzigen Beitrag für die Umwelt und tun unseren Enkeln was Gutes. 
  • Die hohen Kosten relativieren sich, wenn man bedenkt, dass es eine Ausgabe für 25 Jahre ist.

Wie hoch sind die Kosten für eine Dachsanierung?

Diese Frage habe ich versucht im Bekanntenkreis, aber auch mit Hilfe des Internets zu klären, um meine Angebote zu verifizieren. Was ich gefunden habe sich Angaben von 200€ bis 250€ für die Sanierung eines Quadratmeters. Diese Angaben beziehen sich auf die Sanierung von Flachdächern. 

Ob es sich um einen Härtefall bei mir handelt, weil ich zwei übereinanderliegende Dächer hatte, die zusätzlich noch mit Kies bedeckt wurden, kann ich nicht sagen.

Fakt ist, dass uns die vollständige Sanierung inkl. kompletten Abriß/Abtransport sowie neuem Fenster 25.000€ gekostet hat. Die Dachfläche beträgt ca 90m², was einem Quadratmeterpreis von  278€ entspricht. In dieser Summe sind ca. 14.500€ Arbeitskosten enthalten. Der Rest verteilt sich auf das Material, das Baugerüst, Entsorgungskosten und Kosten für weitere Kleinigkeiten wie z.B. eine Bautoilette.  

Wie lief die Dachsanierung ab?

Die Firma, für die wir uns entschieden haben, hat vorausgesagt, dass die Arbeiten ca. zwei Wochen dauern werden, wenn das Wetter mitspielt. Und wir hatten Glück. 

An einem Montag um 7:30Uhr sind drei Arbeiter angerückt  und haben mit dem Aufbau des Gerüstes angefangen. Gegen Mittag stand es bereits. Am nächsten Morgen wurde ein Container angeliefert und sie begannen mit dem Abriss. 

Dabei haben sie nicht alles auf einmal abgerissen, sondern sind meterweise vorgegangen. Das heißt, dass die Fläche, die an einem Tag abgerissen wurde, zum Feierabend wieder wasserdicht hinterlassen wurde.

Insgesamt wurden ca. 25 m³ abtransportiert (zwei große und ein kleinerer Container). Mit so einer Menge habe ich persönlich nicht gerechnet, obwohl drei Container laut Angebot vorgesehen waren.

Mit einem Tag Regen zwischendurch waren die Arbeiten nach genau 10 Arbeitstagen beendet, das Gerüst abgebaut und die Baustelle sauber hinterlassen.

Das neue Dach sieht nun wie folgt aus.

Wie viel Energie spart man bei den Heizkosten?

Die Sanierung wurde nach der aktuellen Energieverordnung durchgeführt. Ob die neue gewaltige Dämmung sich auf die Heizkosten auswirkt kann ich noch nicht sagen. Der Dachdecker meinte, dass ich das deutlich merken müsste.

Zum Glück schreibe ich den Verbrauch seit Jahren auf. Trotz unterschiedlich kalter Winter ist der jährliche Verbrauch relativ konstant. Ich habe also genug Daten, um im Frühjahr einen Vergleich machen zu können. Die Ergebnisse werde ich hier veröffentlichen.

Fazit

Für mich war die Situation mit dem undichten Dach nicht ganz einfach und ich habe mir viele Sorgen gemacht. Auf der einen Seite war die Auswahl der richtigen Firma ein Problem, weil die Firmen nicht gerade auf einen warten. Und man möchte auch jemanden, der weiß was er tut und das auch ordentlich macht.

Auf der anderen Seite waren die hohen Kosten sehr abschreckend, da man 25.000€ nicht gerade griffbereit hat.

Mir war aber sehr bewusst, dass nach 50 Jahren das Dach das Ende des Lebenszyklusses erreicht hat.

Jetzt, wenn ich das Ergebnis betrachte, bin ich froh und sehr erleichtert, dass wir die Entscheidung getroffen haben. Und wenn wir jetzt abends im Bett liegen und es fängt an zu regnen, dann kann ich beruhigt einschlafen. Es gibt ja fünf Jahre Gewährleistung. 🙂